Coronavirus: So klar beschrieb die deutsche Botschaft In China die Anfänge von Covid-19

Schon am Sonntag den 26. Januar notiert die Botschaft mit Bezug auf Wuhan: „Krankenhäuser sind überfüllt, es werden Patienten teilweise wieder nach Hause geschickt.“ Am folgenden Montag schreiben die Diplomaten dann per E-Mail nach Berlin, die chinesische Regierung habe bekannt gegeben, dass auch Menschen ohne Symptome das Virus weitergeben. Alle Schulen, Kitas und Universitäten in China bleiben vorerst geschlossen. Einen Tag später, am Dienstag den 28. Januar, sagt Gesundheitsminister Jens Spahn in der Bild: „Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund.“ Grundlage für die Aussagen von Jens Spahn seien „Informationen vom RKI, vom ECDC und von der WHO“ gewesen, schreibt ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums auf Anfrage. Im RKI-Lagebericht des 28. Januar habe es wörtlich geheißen, die „Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland durch die neue Atemwegserkrankung aus China bleibt derzeit weiterhin gering.“ ‎ Auch das ECDC habe in seiner Risikobewertung vom 26. Januar die Wahrscheinlichkeit eines Imports von weiteren Fällen in die EU als mäßig eingestuft und die Verbreitung des Virus als gering ein. Mehr als zwei Wochen später, am 12. Februar, meldet die Botschaft schon knapp 45.000 Fälle in China. In zahlreichen Regionen wurden bis dahin schon drastische Maßnahmen eingeleitet, von Ausgangssperren bis hin zu Fiebermessungen beim Betreten öffentlicher Gebäude. Es gibt Berichte über Hamsterkäufe und Lebensmittelknappheit. Jens Spahn sagt an diesem Tag im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, dass die Gefahr für die deutsche Bevölkerung von Experten als gering eingeschätzt werde. Einen Tag später sagt RKI-Chef Lothar Wieler auf einem Podium: „Es gibt genügend Optimismus, dass wir mit dieser Eindämmung die Ausbreitung des Virus in Schach halten können.“ Das berichtete Ende Mai die Welt am Sonntag in einer detaillierten Rekonstruktion der ersten Monate des Jahres. Jens Spahns Äußerungen am 12. Februar hätten ebenfalls „auf der damals aktuellen Risikoeinschätzung des RKI“ basiert, schreibt das Bundesgesundheitsminsiterium. Dort habe es am selben Tag geheißen: „Gegenwärtig gibt es jedoch keinen Anhalt für eine anhaltende Viruszirkulation in Deutschland, sodass die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland aktuell weiterhin gering bleibt.“ Das Auswärtige Amt schreibt auf Anfrage, die Coronavirus-Lageberichte aus Peking seien „anlassbezogen an weitere Regierungsstellen weitergeleitet wurden. Zudem flossen die Erkenntnisse aus dieser Berichterstattung bei der Erstellung von Hintergrundunterlagen sowie in den Austausch innerhalb der Bundesregierung ein.“ Das Bundesgesundheitsministerium schreibt auf Anfrage: „Dem BMG lagen die von Ihnen erwähnten täglichen Coronavirus-Lageberichte nicht vor.“ Es dauert bis Ende Februar, bis die Bundesregierung nervös wird – und beginnt, auch für Deutschland strengere Maßnahmen zu planen. Von einem möglichen Lockdown ist die Rede. Zu diesem Zeitpunkt kommen die Berichte aus Wuhan schon seit rund fünf Wochen täglich im Außenministerium an. Über die Maßnahmen gegen das Coronavirus und die Politik der Bundesregierung wird seit Monaten kontrovers gestritten. Wir glauben, dass es für diese Auseinandersetzungen hilfreich ist, wenn möglichst viele Informationen zum Thema öffentlich sind. Daher haben wir uns entschieden, sämtliche Coronavirus-Lageberichte der deutschen Botschaft in China vom 22. Januar bis zum 20. März 2020 hier zu veröffentlichen. Die Lageberichte hat Johannes Filter durch eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz erhalten und uns im Anschluss zur Verfügung gestellt. Let's block ads! (Why?)

Coronavirus: So klar beschrieb die deutsche Botschaft In China die Anfänge von Covid-19

Schon am Sonntag den 26. Januar notiert die Botschaft mit Bezug auf Wuhan: „Krankenhäuser sind überfüllt, es werden Patienten teilweise wieder nach Hause geschickt.“ Am folgenden Montag schreiben die Diplomaten dann per E-Mail nach Berlin, die chinesische Regierung habe bekannt gegeben, dass auch Menschen ohne Symptome das Virus weitergeben. Alle Schulen, Kitas und Universitäten in China bleiben vorerst geschlossen. Einen Tag später, am Dienstag den 28. Januar, sagt Gesundheitsminister Jens Spahn in der Bild: „Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund.“

Grundlage für die Aussagen von Jens Spahn seien „Informationen vom RKI, vom ECDC und von der WHO“ gewesen, schreibt ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums auf Anfrage. Im RKI-Lagebericht des 28. Januar habe es wörtlich geheißen, die „Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland durch die neue Atemwegserkrankung aus China bleibt derzeit weiterhin gering.“ ‎ Auch das ECDC habe in seiner Risikobewertung vom 26. Januar die Wahrscheinlichkeit eines Imports von weiteren Fällen in die EU als mäßig eingestuft und die Verbreitung des Virus als gering ein.

Mehr als zwei Wochen später, am 12. Februar, meldet die Botschaft schon knapp 45.000 Fälle in China. In zahlreichen Regionen wurden bis dahin schon drastische Maßnahmen eingeleitet, von Ausgangssperren bis hin zu Fiebermessungen beim Betreten öffentlicher Gebäude. Es gibt Berichte über Hamsterkäufe und Lebensmittelknappheit. Jens Spahn sagt an diesem Tag im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, dass die Gefahr für die deutsche Bevölkerung von Experten als gering eingeschätzt werde. Einen Tag später sagt RKI-Chef Lothar Wieler auf einem Podium: „Es gibt genügend Optimismus, dass wir mit dieser Eindämmung die Ausbreitung des Virus in Schach halten können.“ Das berichtete Ende Mai die Welt am Sonntag in einer detaillierten Rekonstruktion der ersten Monate des Jahres.

Jens Spahns Äußerungen am 12. Februar hätten ebenfalls „auf der damals aktuellen Risikoeinschätzung des RKI“ basiert, schreibt das Bundesgesundheitsminsiterium. Dort habe es am selben Tag geheißen: „Gegenwärtig gibt es jedoch keinen Anhalt für eine anhaltende Viruszirkulation in Deutschland, sodass die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland aktuell weiterhin gering bleibt.“

Das Auswärtige Amt schreibt auf Anfrage, die Coronavirus-Lageberichte aus Peking seien „anlassbezogen an weitere Regierungsstellen weitergeleitet wurden. Zudem flossen die Erkenntnisse aus dieser Berichterstattung bei der Erstellung von Hintergrundunterlagen sowie in den Austausch innerhalb der Bundesregierung ein.“ Das Bundesgesundheitsministerium schreibt auf Anfrage: „Dem BMG lagen die von Ihnen erwähnten täglichen Coronavirus-Lageberichte nicht vor.“

Es dauert bis Ende Februar, bis die Bundesregierung nervös wird – und beginnt, auch für Deutschland strengere Maßnahmen zu planen. Von einem möglichen Lockdown ist die Rede. Zu diesem Zeitpunkt kommen die Berichte aus Wuhan schon seit rund fünf Wochen täglich im Außenministerium an.

Über die Maßnahmen gegen das Coronavirus und die Politik der Bundesregierung wird seit Monaten kontrovers gestritten. Wir glauben, dass es für diese Auseinandersetzungen hilfreich ist, wenn möglichst viele Informationen zum Thema öffentlich sind. Daher haben wir uns entschieden, sämtliche Coronavirus-Lageberichte der deutschen Botschaft in China vom 22. Januar bis zum 20. März 2020 hier zu veröffentlichen. Die Lageberichte hat Johannes Filter durch eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz erhalten und uns im Anschluss zur Verfügung gestellt.

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